04.05.2012

Wenn die Tiroler Berge brennen

Jährlich zur Sommersonnenwende werden auf den Berggipfeln Tirols Feuer entzündet. Ein Schauspiel, welches gleichermaßen Einheimische wie Gäste in seinen Bann zieht.
Sonnwendfeuer gehören zu den am weitest verbreiteten Bergfeuerbräuchen im Alpenraum und werden um den 21. Juni, dem längsten Tag im Jahr, entzündet. Die Feuer zur Sommersonnenwende weisen vorchristliche Wurzeln auf. So zeigten bereits die Kelten, wie alle markanten Punkte im Jahresverlauf, auch die Sommersonnenwende durch Feuer auf den Höhen an. Diese Bergfeuer hatten die Funktion eines Kalenders, sie signalisierten den Zeitpunkt von Aussaat und Ernte, von Aktivität und Ruhe, von Bitte und Dank an die Götter. Letztlich sind diese Feuerbräuche wahrscheinlich im Sonnenmythos zu suchen, wonach es für die Sonne eine ganz besondere Anstrengung bedeutet, Schwellenmomente zu überwinden. Um sie dabei zu unterstützen, zündeten die Menschen Feuer an.

Eine Besonderheit stellen in Tirol die so genannten Herz-Jesu-Feuer dar, die ebenfalls zur Zeit der Sommersonnenwende entzündet werden. Ihr Ursprung geht auf die Zeit der Christianisierung zurück, als die Kirche das Fest der Sommersonnenwende durch jenes der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni ersetzte (vor Einführung des Gregorianischen Kalenders war der 24. Juni der Tag des höchsten Sonnenstandes, der sich dann auf den 21. Juni verschob) – aus den Sonnwendfeuern wurden die Johannesfeuer. An deren Stelle traten schließlich die Herz-Jesu-Feuer, die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zur Erinnerung an das Herz-Jesu-Gelöbnis von 1796 auf Tirols Bergen leuchten. Als französische Truppen unter Napoleon I. das Land Tirol bedrohten, traten die Tiroler Landstände 1796 in Bozen (heutiges Südtirol) zusammen, um die Lage zu beraten. Sie beschlossen, das Land dem "Heiligsten Herzen Jesu" anzuvertrauen und so göttlichen Beistand zu erhalten. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen, die Landstände gelobten im Namen des Volkes, das Herz-Jesu-Fest jährlich feierlich zu begehen. Genützt hat das göttliche Bündnis zwar nichts, aber ideologisch hat es die Kriegswirren überdauert. Die bei den Herz-Jesu-Feuern abgebrannten Symbole sind daher vor allem christlicher Natur, wie z.B. Kreuze, Herzen oder die Buchstaben „IHS“.

In zahlreichen Tiroler Orten wird die Sonnenwende groß gefeiert. Besonders eindrucksvoll begeht die Tiroler Zugspitzarena die kürzeste Nacht des Jahres. Auf den umliegenden Berggipfeln rund um Ehrwald werden rund 8.000 Feuer mit unterschiedlichsten Symbolen entzündet und unterstreichen so die besondere Mystik der Sonnwendnacht. Diese Feuer zählen sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und finden 2012 am 23. Juni statt.
Auch anderorts werden die „Berge in Flammen“ wieder für staunendes Publikum sorgen: Am 16. Juni 2012 werden die Bergfeuer etwa im Tannheimer Tal, am Achensee, in Innsbruck und in Ramsau im Zillertal entzündet. Eine Woche später, am 23. Juni 2012 leuchten die Berge unter anderem im Alpbachtal, in Ellmau, Söll, Westendorf, im Pillerseetal, Kaiserwinkl, in Tux-Finkenberg, St. Johann i.T. und der Wildschönau.

Nähere Informationen: Tirol Info, Tel. +43.512.7272-0, info@tirol.at, www.tirol.at
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Besonders eindrucksvoll begeht die Tiroler Zugspitzarena die Sonnwendfeier. (Foto: TVB Zugspitzarena/Albin Niederstrasser, Abdruck honorarfrei)


Der Ursprung der Herz-Jesu-Feuer geht auf die Zeit der Christianisierung zurück, als die Kirche das Fest der Sommersonnenwende durch jenes der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni ersetzte. (Foto: Albin Niederstrasser, Abdruck honorarfrei)


Rund um Ehrwald werden rund 8.000 Feuer mit den unterschiedlichsten Symbolen entzündet. (Foto: TVB Zugspitzarena/Albin Niederstrasser, Abdruck honorarfrei)


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